Die Suche nach der Quantengravitation - Internationale Wissenschaftler ehren Hermann Nicolai

Hochkarätige Fachkonferenz zum 60. Geburtstag des AEI-Direktors

4. September 2012

Mit einer dreitägigen internationalen Konferenz begeht das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, AEI) in Potsdam-Golm vom 6. bis 8. September 2012 den 60. Geburtstag von Prof. Dr. Hermann Nicolai, Direktor der Abteilung „Quantengravitation und Vereinheitlichte Theorien“. Nicolai gehört zu den weltweit renommiertesten Wissenschaftlern, die an einer umfassenden, vereinheitlichten Theorie – sie wird oft auch als „Weltformel“ bezeichnet – arbeiten. Der Titel der Veranstaltung, an der die führenden Wissenschaftler aus aller Welt teilnehmen, lautet ins Deutsche übertragen „Symmetrien, Vereinheitlichung und die Suche nach der Quantengravitation“.

Prof. Hermann Nicolai

Seit fast vier Jahrzehnten beschäftigt sich Hermann Nicolai mit der Gravitationsphysik und der Physik der Elementarteilchen. Im Mittelpunkt seiner Forschungsarbeiten steht dabei stets die Frage, wie es gelingen kann, Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie als Erklärung der kosmischen Vorgänge mit der Quantentheorie als Beschreibung der Materie unterhalb der Atomebene in Einklang zu bringen. Bezeichnend für Hermann Nicolais Forschungsstil ist, dass er den unterschiedlichen Forschungsrichtungen auf diesem Gebiet Raum gibt. In seiner Abteilung am AEI wird daher an unterschiedlichen und zum Teil konkurrierenden Ansätzen gearbeitet. Aus diesem Grunde entscheiden sich auch immer wieder mit hochdotierten Preisen ausgezeichnete Wissenschaftler, am AEI im Umfeld Nicolais zu forschen. Aktuell sind dies Dr. Daniele Oriti, der den mit 1,41 Mio. € dotierten Sofja Kovalevskaja-Preis erhielt und Dr. Jean-Luc Lehners, der mit seinem ERC (European Research Council) Starting Grant in Höhe von 1,15 Mio. € eine Forschungsgruppe am AEI aufgebaut hat. Mehrere Mitarbeiter aus Nicolais Forschungsgruppe haben inzwischen Lehrstühle im In- und Ausland inne. Sie sind dem AEI nach wie vor eng verbunden.

Bereits Albert Einstein hatte erkannt, dass seine Allgemeine Relativitätstheorie nicht alle physikalischen Phänomene beschreiben kann und suchte viele Jahre nach einer umfassenden Theorie. Als aussichtsreichste Kandidatin zur Lösung dieser Frage gelten heute die Superstringtheorie und verwandte Ansätze. Da Hermann Nicolai darauf bedacht ist, den Fokus der Forschung nicht einzuengen, werden in seiner Abteilung verschiedene Forschungsansätze parallel verfolgt. Dazu gehört die Stringtheorie in ihren zahlreichen Ausprägungen (u.a. Kosmologie, Physik der schwarzen Löcher, Elementarteilchenphysik, mathematische Anwendungen, etc.) ebenso wie die Supersymmetrie, die kanonische Quantisierung, die Quantengeometrie, etc.

Für seine langjährige und umfangreiche wissenschaftliche Arbeit zu den Symmetrien der Einsteinschen Gravitationstheorie wurde Hermann Nicolai 2010 mit der Einstein-Medaille der Albert- Einstein-Gesellschaft geehrt. Mit der jährlich verliehenen Auszeichnung werden seit 1979 herausragende Physiker gewürdigt, darunter Stephen Hawking, Rudolf Ludwig Mößbauer und Murray Gell-Mann. Bereits 1991 wurde Hermann Nicolai mit dem Otto-Klung-Preis für Physik ausgezeichnet.

Hermann Nicolai, 1952 in Friedberg (Hessen) geboren, war nach Physikstudium und Promotion an der Universität Karlsruhe zunächst als Assistent an der Universität Heidelberg tätig. Von 1979 bis 1986 forschte er am CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) in Genf. Nach Professuren in Karlsruhe und Hamburg wurde er 1997 als Direktor der Abteilung „Quantengravitation und Vereinheitlichte Theorien“ an das AEI berufen. Er war von 1993 bis 1996 Mitglied des wissenschaftlichen Rates Deutsches Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg und wurde Anfang 2012 in das External Advisory Board der Theorie-Abteilung am CERN in Genf berufen. Darüber hinaus ist Nicolai seit einigen Jahren Mitglied des Advisory Board der Solvay-Stiftung in Brüssel, Belgien, sowie des Verwaltungsrates des IHES (Institut des Hautes Etudes Scientifiques) in Bures- sur-Yvette, Frankreich.

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