Öffentliche Veranstaltung zum Start von LISA Pathfinder

Das Albert-Einstein-Institut lädt Medienvertreter und die Öffentlichkeit zum gemeinsamen Launch-Event am 3. Dezember 2015 ein

20. November 2015

Am 3. Dezember startet die LISA Pathfinder-Mission an Bord einer Vega-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou. LISA Pathfinder wird Kerntechnologien zur Messung von Gravitationswellen im Weltall demonstrieren und den Weg für zukünftige Gravitationswellen-Detektoren wie eLISA ebnen. Das Albert-Einstein-Institut in Hannover ist federführend an LISA Pathfinder und eLISA beteiligt und lädt am frühen Morgen des 3. Dezember 2015 zu einem Launch-Event in Hannover ein.

Diese Pressemitteilung wurde aktualisiert: Aufgrund von technischen Schwierigkeiten mit der Trägerrakete wurde der Start von LISA Pathfinder auf den 3. Dezember verschoben.

Adresse

Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) und Institut für Gravitationsphysik der Leibniz Universität Hannover 
Callinstr. 38 
30167 Hannover

Ablauf

  • Einlass ab 4:35 Uhr
  • Begrüßung
  • Übertragung Livestream (englischsprachig) aus Kourou mit Raketenstart um 5:04 Uhr
  • Kurzvortrag „LISA Pathfinder: erste Schritte zur Gravitationswellemessung im All“
  • Pause mit gemeinsamem Frühstück
  • optional: Führungen zum LISA Pathfinder-Einsatzraum am AEI Hannover
  • Ausstellung einiger Exponate zu LPF
  • Übertragung des Livestreams (englischsprachig) vom European Space Operations Centre (ESOC) in Darmstadt. Darin gegen 7 Uhr Trennung des Satelliten von der Rakete und Missionsbeginn; außerdem Vorträge von LPF-Wissenschaftlern (u.a. Dr. Martin Hewitson vom AEI Hannover)
  • Ende gegen 8:20 Uhr

Anmeldung

Wenn Sie gemeinsam mit Forschenden des Albert-Einstein-Instituts den Start von LISA Pathfinder ins All erleben wollen, melden Sie sich bitte bis zum 1.12. per  oder telefonisch (0511-762-19104) bei Benjamin Knispel an.

Früherer Start einer Vega-Rakete, die am 2. Dezember auch LISA Pathfinder ins All bringen wird.

LISA Pathfinder Mission

Die LPF-Mission wird an ihrem Zielpunkt im All – 1,5 Millionen Kilometer vor der Erde in Richtung Sonne – zwei Testmassen in nahezu perfekten freien Fall positionieren und hochpräzise vermessen und kontrollieren. Dazu kommen neuartige Trägheitssensoren, ein Laser-Messsystem, ein berührungsfreies Kontrollsystem und ein extrem präzises Antriebssystem zum Einsatz. Dies sind die Kerntechnologien für zukünftige Gravitationswellen-Observatorien wie eLISA im All.

Das optische Präzisionsmesssystem für LPF wurde unter der Federführung und mit maßgeblicher Beteiligung des AEI in Hannover entwickelt und gebaut. Prof. Dr. Karsten Danzmann hat gemeinsam mit Prof. Stefano Vitale von der Universität Trento, Italien, die wissenschaftliche Leitung des Projekts inne.

LISA Pathfinder ist eine Mission der ESA. Daran beteiligt sind europäische Raumfahrtunternehmen unter der Systemverantwortung von Airbus DS, Forschungseinrichtungen aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien, der Schweiz, und Großbritannien sowie die NASA.

LISA Pathfinder wird aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert.

Hintergrundinformationen nach dem Seitenumbruch

Hintergrundinformationen

Das hochempfindliche Messsystem von LISA Pathfinder

In den zwei separaten Vakuumtanks der wissenschaftlichen Nutzlast von LPF sollen während des Missionsbetriebs jeweils eine würfelförmige Testmasse von zwei Kilogramm (nahezu) frei von allen inneren und äußeren Störkräften schweben und so die präzise Vermessung einer kräftefreien Bewegung im Raum demonstrieren. Eine spezielle Gold-Platin-Legierung sorgt dafür, dass auf die Massen keine magnetischen Kräfte wirken; eine berührungslose Entladung mit Hilfe von UV-Strahlung stellt sicher, dass keine elektrostatische Aufladung erfolgt. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der sogenannte Caging-and-Venting-Mechanismus dar, der die Testmassen während der heftigen Vibrationen beim Start von LISA Pathfinder sichert, sie kontrolliert freigibt und sie gegebenenfalls auch wieder einfängt. Mittels Laserinterferometrie werden die Positionen und die Ausrichtung der beiden Testmassen relativ zum Satelliten und zueinander mit bisher unerreichter Genauigkeit von etwa 10 Pikometern (ein hundertmillionstel Millimeter) gemessen. Darüber hinaus werden die Positionen über kapazitive Inertialsensoren mit geringerer Genauigkeit erfasst. Die Messdaten werden dazu verwendet, mit Hilfe eines „Drag-Free Attitude Control System (DFACS)“ die Sonde so zu steuern, dass sie gewissermaßen stets auf eine der Testmassen zentriert bleibt. Die eigentliche Lageregelung des Satelliten erfolgt dabei durch Kaltgas-Mikronewton-Triebwerke. Diese ermöglichen eine extrem feine und gleichmäßige Regelung des Antriebschubs. Die Schubkräfte liegen im Bereich von Mikronewton – dies entspricht der Gewichtskraft eines Sandkorns auf der Erde.

Wegbereiter für eine neue Astronomie 

LISA Pathfinder ist Wegbereiter für eLISA, ein großes Weltraumobservatorium, das eines der am schwersten fassbaren astronomischen Phänomene direkt beobachten soll – Gravitationswellen. Diese von Albert Einstein vorhergesagten, winzigen Verzerrungen der Raumzeit erfordern eine sehr empfindliche und hochpräzise Messtechnologie. Weltraumobservatorien wie eLISA werden Gravitationswellen mit Frequenzen im Millihertz-Bereich nachweisen. So ergänzen sie irdische Detektoren wie GEO600, aLIGO und Virgo, die bei höheren Frequenzen (im Audiobereich) messen. Im Zusammenspiel mit anderen astronomischen Methoden werden diese Gravitationswellenobservatorien bisher noch unbekannte Bereiche, gewissermaßen die „Dunkle Seite des Universums“, beobachten. Beispielsweise wird man verfolgen können, wie massereiche schwarze Löcher entstehen, wachsen und miteinander verschmelzen. Außerdem wird es möglich sein, Aussagen der Allgemeinen Relativitätstheorie zu überprüfen und nach unbekannter Physik zu suchen.

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