Ehrendoktorwürde der Universität Glasgow für Prof. Bernard F. Schutz

30. Juni 2011

Die Universität Glasgow verleiht am 30. Juni 2011 Professor Bernard F. Schutz, Direktor am Albert-Einstein-Institut, die Ehrendoktorwürde. Die Universität würdigt damit seine international bedeutenden Beiträge zur Theoretischen Astrophysik.

Prof. Bernard F. Schutz war und ist ganz wesentlich am Aufbau und an der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen theoretisch und experimentell arbeitenden Astrophysikern weltweit beteiligt. Er ist eine der Schlüsselpersonen, die das Feld der Gravitationswellenastronomie begründet haben, das heute mit dem Betrieb von GEO600, LIGO, Virgo sowie mit dem künftigen Weltraumobservatorium LISA kurz vor der Aufnahme einer vollkommen neuen Art astronomischer Beobachtungen steht.

Bernard Schutz

„Die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Glasgow ist eine ganz besondere Auszeichnung für mich. Sie unterstreicht auch die Bedeutung der theoretischen Astrophysik für die Gravitationswellenastronomie“, so Prof. Bernard F. Schutz. „Nur durch intensive Zusammenarbeit von Theoretikern und Experimentalisten kann es uns gelingen, Einsteins Gravitationswellen direkt nachzuweisen und so eine neue „Astronomie des Hörens“ zu begründen, die die herkömmliche „Astronomie des Sehens“ ergänzt. Mit meinem Kollegen und Kolleginnen in Glasgow arbeite ich seit langem eng zusammen“, so Schutz weiter. „Wir betreiben beispielsweise das Hannoveraner Gravitationswellen-Observatorium GEO600 gemeinsam.“

Schutz studierte Physik an der Clarkson University in Potsdam (State of New York/USA) und promovierte (PhD) am California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena, Kalifornien. Am Caltech war die Gravitationswellenforschung in den 1960er Jahren bereits ein brandheißes Thema, das Bernard Schutz in seinen Bann zog. Seitdem hat er sich darauf spezialisiert, die Anwendungen der Allgemeinen Relativitätstheorie in der Astrophysik zu erforschen. Aufgrund seiner Arbeiten in der Theoretischen Astrophysik – dazu gehören unter anderem theoretische Berechnungen von Gravitationswellensignalen und die Entwicklung von Methoden für die Datenauswertung von Gravitationswellendetektoren – gehört er zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der Allgemeinen Relativitätstheorie.

Als Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik/Albert-Einstein-Institut in Potsdam (gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Ehlers) hat Bernard Schutz seit 1995 entscheidend dazu beigetragen, die Forschung auf dem Gebiet der Allgemeinen Relativitätstheorie in Deutschland wieder zu beleben. Innerhalb des Instituts leitet er die Abteilung Astrophysikalische Relativitätstheorie, in der Wissenschaftler mit Hilfe von Supercomputern Simulationen der Allgemeinen Relativitätstheorie durchführen, Schwarze Löcher erforschen und Daten des weltweiten Netzes von Gravitationswellenobservatorien analysieren. Darüber hinaus hat Schutz eine Professur an der School of Physics and Astronomy der University of Cardiff in Wales/Großbritannien beibehalten, wo er bereits vor seinem Wechsel nach Deutschland lehrte. Er ist außerdem Honorarprofessor an der Leibniz Universität Hannover und der Universität Potsdam. Bernard Schutz ist Mitglied der Leopoldina und Ehrenmitglied der britischen Royal Astronomical Society. Im Mai 2011 wurde er zum Mitglied der Learned Society of Wales – dem walisischen Pendant der deutschen Leopoldina – gewählt.

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