Prof. Bernard F. Schutz wird Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

25. September 2006

Prof. Bernard F. Schutz, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam-Golm wird heute im Rahmen eines Festaktes in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen. Der Festakt findet im Rahmen der Jahrestagung der Akademie um 13:30 Uhr im Internationalen Kongresszentrum Dresden statt. Schutz wird mit der Aufnahme in die Leopoldina für seine herausragenden Verdienste als Wissenschaftler geehrt.

Leopoldina

Die 1652 in Schweinfurth gegründete und heute in Halle/Saale ansässige Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft in Deutschland. Während der deutschen Teilung war die Leopoldina die einzige Wissenschaftlerorganisation, die einheitlich weiter bestand. In Alter, Bedeutung und Mitgliedstärke ist sie vergleichbar mit der Royal Society (Großbritannien) oder der Académie des Sciences (Frankreich). Ihre wesentlichen Aufgaben sieht die Leopoldina in der Förderung von Wissenschaft, in der interdisziplinären Diskussion und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Zu Mitgliedern werden hervorragende Gelehrte aus aller Welt gewählt. Neben Naturwissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen ein Drittel ihrer Mitglieder aus 27 weiteren Ländern weltweit. Zu namhaften Mitgliedern, die seit 1922 aus Mitgliedern der Leopoldina mit herausragenden Verdiensten um Wissenschaft und Akademie gewählt werden, zählen u.a. die Physiker Lord Ernest Rutherford (1932), Max Planck (1941), Max Born (1958) und Werner Heisenberg (1968).

Bernard Schutz

genießt aufgrund seiner wissenschaftlichen Aktivitäten, seiner Publikationen, seines persönlichen Engagements für die Belange der Gravitationsphysik und ihrer Wissenschaftler weltweit einen herausragenden Ruf. Er war und ist für die theoretischen und experimentellen Astrophysiker in Europa und den USA der Dreh- und Angelpunkt für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Er war entscheidend an der Gründung des Forschungsfeldes der Gravitationswellenastronomie beteiligt, das jetzt mit der Inbetriebnahme des deutsch-britischen Gravitationswellendetektors GEO600, der amerikanischen LIGO-Detektoren, des italienischen VIRGO-Detektors sowie in der nahen Zukunft mit dem Weltraumprojekt „LISA“ zweifellos zu den zukunftsweisenden Forschungsfeldern gehört.

Bernard Schutz

Die Theorien Albert Einsteins inspirierten Bernard Schutz so sehr, dass er bereits mit 17 Jahren fest entschlossen war, Physiker zu werden. Er studierte Physik an der Clarkson University (State of New York/USA) in Potsdam (!). Zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern am California Institute of Technology (CalTech) wurde ihm bereits Ende der 1960er Jahre die Bedeutung der Gravitationswellen, die eine wichtige Vorhersage von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie waren, bewusst. Seit dem untersucht Schutz die Auswirkungen der Allgemeinen Relativitätstheorie auf die Astrophysik. Aufgrund seiner Arbeiten im Bereich der Theoretischen Astrophysik – unter anderem zur Berechnung von Gravitationswellensignalen sowie zur Datenauswertung von Gravitationswellendetektoren – gehört er zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der Allgemeinen Relativitätstheorie.

Als Gründungsdirektor (gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Ehlers) leitet Schutz von Anfang seit 1995 die Geschicke am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam. Innerhalb des Instituts leitet er die Abteilung Astrophysikalische Relativitätstheorie, welche sich mit mathematischen Simulationen der Allgemeinen Relativitätstheorie und Studien zu Schwarzen Löchern sowie Gravitationswellen beschäftigt. Er ist darüber hinaus Professor am Department of Physics and Astronomy, University of Wales in Cardiff. Schutz leitet zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern die Arbeiten am deutsch-britischen Gravitationswellendetektor GEO600 und ist Mitglied des internationalen Wissenschaftlerteams von LISA (Laser Interferometer Space Antenna): einem zukunftsweisenden Gemeinschaftsprojekt von ESA und NASA, das ab 2015 im Weltraum Gravitationswellen detektieren soll. Bernard Schutz hat es sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, die Gravitationsphysik von Galileo über Newton und Einstein bis hin zur aktuellen Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das von ihm gegründete e-journal Living Reviews in Relativity, eine frei zugängliche elektronische Zeitschrift mit Übersichtsartikeln aus allen Bereichen der Relativitätstheorie und sein im Cambridge-Verlag erschienenes Buch „Gravity from the ground up“ sind gute Beispiele dafür.

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