Prof. Bernard Schutz erhält mit der Amaldi-Medaille die höchste Auszeichnung der „Italienischen Gesellschaft für Allgemeine Relativitätstheorie und Gravitationsphysik“

3. September 2006

Bernard Schutz, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam, erhält für seine herausragenden Beiträge zur Forschung auf dem Gebiet der Gravitationsphysik in Europa die Amaldi-Medaille in Gold. Verliehen wird die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Rahmen einer Feierstunde am 04. September 2006 in Turin.

Die nach dem italienischen Physiker Edoardo Amaldi (1908-1989) benannte Medaille wird seit 1998 alle zwei Jahre von der "Italienischen Gesellschaft für Allgemeine Relativitätstheorie und Gravitationsphysik" (SIGRAV - Società Italiana di Relatività Generale e Fisica della Gravitazione) vergeben. Zuletzt erhielt sie 2004 der berühmte britische Mathematiker und Kosmologe Sir Roger Penrose.

Edoardo Amaldi

war ein herausragender Wissenschaftler auf dem Gebiet der Astrophysik und forschte gemeinsam mit dem Nobelpreiträger von 1938, Enrico Fermi. Für seine Leistungen auf dem Gebiet der Physik wurde er u.a. als "Foreign Member" der Royal Society aufgenommen.

Bernard Schutz

genießt aufgrund seiner wissenschaftlichen Aktivitäten, seiner Publikationen, seines persönlichen Engagements für die Belange der Gravitationsphysik und ihrer Wissenschaftler weltweit einen herausragenden Ruf. Er war und ist für die theoretischen und experimentellen Astrophysiker in Europa und den USA der Dreh- und Angelpunkt für eine fruchtbare Zusammenarbeit. Er war entscheidend an der Gründung des Forschungsfeldes der  Gravitationswellenastronomie beteiligt, das jetzt mit der Inbetriebnahme des deutsch-britischen Gravitationswellendetektors GEO600, der amerikanischen LIGO-Detektoren, des italienischen VIRGO-Detektors sowie in der nahen Zukunft mit dem Weltraumprojekt „LISA“ zweifellos zu den zukunftsweisenden Forschungsfeldern gehört.

Bernard Schutz

Die Theorien Albert Einsteins inspirierten Bernard Schutz so sehr, dass er bereits mit 17 Jahren fest entschlossen war, Physiker zu werden. Er studierte Physik an der Clarkson University (State of New York/USA) in Potsdam (!). Zusammen mit einer Gruppe von Wissenschaftlern am California Institute of Technology (CalTech) wurde ihm bereits Ende der 1960er Jahre die Bedeutung der Gravitationswellen, die eine wichtige Vorhersage von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie waren, bewusst. Seit dem untersucht Schutz die Auswirkungen der Allgemeinen Relativitätstheorie auf die Astrophysik. Aufgrund seiner Arbeiten im Bereich der Theoretischen Astrophysik – unter anderem zur Berechnung von Gravitationswellensignalen sowie zur Datenauswertung von Gravitationswellendetektoren – gehört er zu den international führenden Experten auf dem Gebiet der Allgemeinen Relativitätstheorie.

Als Gründungsdirektor (gemeinsam mit Prof. Dr. Jürgen Ehlers) leitet Schutz seit 1995 die Geschicke am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam. Innerhalb des Instituts leitet er die Abteilung Astrophysikalische Relativitätstheorie, welche sich mit mathematischen Simulationen der Allgemeinen Relativitätstheorie und Studien zu Schwarzen Löchern sowie Gravitationswellen beschäftigt. Er ist darüber hinaus Professor am Department of Physics and Astronomy, University of Wales in Cardiff. Schutz leitet zusammen mit zwei weiteren Wissenschaftlern die Arbeiten am deutsch-britischen Gravitationswellendetektor GEO600 und ist Mitglied des internationalen Wissenschaftlerteams von LISA (Laser Interferometer Space Antenna): einem zukunftsweisenden Gemeinschaftsprojekt von ESA und NASA, das ab 2015 im Weltraum Gravitationswellen detektieren soll. Bernard Schutz hat es sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, die Gravitationsphysik von Galileo über Newton und Einstein bis hin zur aktuellen Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sein im Cambridge-Verlag erschienenes Buch „Gravity from the ground up“ ist ein gutes Beispiel dafür.

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