NRW-Landtag unterstützt Einstein-Teleskop einstimmig

Der Landtag Nordrhein-Westfalens hat dem international wegweisenden wissenschaftlichen Projekt Einstein-Teleskop (ET) jetzt einstimmig seine Unterstützung zugesichert.

12. November 2020
Künstlerische Darstellung des unterirdisch angelegten Einstein-Teleskops.

Das Einstein-Teleskop (ET) ist ein geplanter europäischer Gravitationswellendetektor der neuesten Generation. Der NRW-Landtag hat das Projekt, das im Dreiländereck Aachen-Lüttich-Maastricht entstehen kann, diskutiert und beschlossen, sich für seine Realisierung einzusetzen. Als weiterer Standort für ET kommt die italienische Insel Sardinien in Frage.

Mit der ersten Messung von Gravitationswellen hat 2015 das Zeitalter der Gravitationswellenastronomie begonnen. Deutsche Wissenschaftler*innen waren an der 2017 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Gravitationswellenforschung von Anfang an federführend beteiligt. Sie haben Schlüsseltechnologien, neue Methoden der Datenanalyse und wissenschaftliche Grundlagen entwickelt. Ihre Expertise fließt nun auch in die Projekte der nächsten Generation ein. Gelingt es ET im Dreiländereck anzusiedeln, werden die Forschungskooperationen in der Euregio Maas-Rhein und der Wirtschaftsstandort nachhaltig gestärkt.

Weltweit wird es in den kommenden Jahrzehnten nur zwei Gravitationswellenobservatorien der nächsten Generation geben: Cosmic Explorer (CE) in den USA und das Einstein-Teleskop (ET) in Europa. Der NRW-Landtag hat nun auf Antrag der Fraktionen von CDU, SPD, FDP und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN eine wichtige Grundlage für eine mögliche Realisierung von ET im Dreiländereck geschaffen.

Kernpunkte aus der Beschlussfassung

Der Landtag beauftragt die Landesregierung,

  • sich zunächst für die Anerkennung des Einstein-Teleskops als wissenschaftliches Vorhaben von nationaler und europäischer Bedeutung einzusetzen sowie darüber hinaus den Wunsch der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu unterstützen, das Einstein-Teleskop auf die Liste von Großforschungsvorhaben zu setzen.
  • sich gemeinsam mit den Niederlanden und Belgien auf allen Ebenen für das Einstein-Teleskop einzusetzen und insbesondere den Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit Euregio Maas Rhein bei seinen diesbezüglichen Aktivitäten zu unterstützen.
  • sich aktiv dafür einzusetzen, den Prozess zur Realisierung des Einstein-Teleskops zu flankieren, durch finanzielle Unterstützung von begleitenden Forschungsvorhaben, durch Fokussierung auf die regional- und wirtschaftspolitische Dimension des Vorhabens und durch Verstärkung der grenzüberschreitenden und trilateralen Netzwerkbildung und Zusammenhalt zugunsten des Vorhabens.
  • sich gegenüber dem Bundesministerium für Bildung und Forschung dafür einzusetzen, den geplanten Bau des Einstein-Teleskops unter eventueller Beteiligung des Landes NRW finanziell zu unterstützen.

Das AEI in der internationalen Gravitationswellenforschung

Das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, AEI) mit Standorten in Potsdam und Hannover und die Leibniz Universität Hannover sind seit langem führende Institutionen in der Gravitationswellenforschung und Initiatoren des Einstein-Teleskops. Die Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen numerische Simulationen von Gravitationswellenquellen, Datenanalyse, quantenlimitierte interferometrische Messungen, Laserentwicklung sowie Steuerung und Betrieb von Gravitationswellendetektoren. 

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