Das GEO600-Projekt endet am 31. Dezember 2026
Mehr als drei Jahrzehnte Spitzenforschung am deutsch-britischen Detektor haben die internationale Gravitationswellen-Astronomie geprägt.
Auf den Punkt gebracht
- Betriebsende: Der Gravitationswellen-Detektor GEO600 südlich von Hannover stellt zum Ende des Jahres 2026 den Betrieb ein. Im Sommer wird der letzte Tag der offenen Tür stattfinden. Gruppenführungen werden bis Ende des Jahres angeboten. Der Rückbau der Anlage wird Anfang 2027 beginnen.
- Emeritierung: Mit der Emeritierung des Max-Planck-Direktors Karsten Danzmann am 31. März 2026 endet die Finanzierung des GEO600-Projekts zum Jahresende.
- Spitzenforschung: GEO600 ist ein Leuchtturm der internationalen Forschung. Im GEO-Projekt entwickelte und getestete Technologien kommen heute in allen großen Gravitationswellen-Detektoren der Welt zum Einsatz. Die Erkenntnisse und Erfahrungen fließen auch in die Vorbereitung zukünftiger Instrumente wie dem Einstein-Teleskop und dem Cosmic Explorer ein.
GEO600 hat die Astronomie mit Gravitationswellen weltweit vorangebracht
Karsten Danzmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert- Einstein-Institut) und Professor an der Leibniz Universität Hannover sagt: „GEO600 hat als Leuchtturm der deutsch-britischen Gravitationswellen-Forschung die internationale Zusammenarbeit gefördert, Generationen von Wissenschaftler*innen geprägt und wichtige technologische Durchbrüche gemacht. Bei GEO600 entstanden nachhaltige Beiträge zur Astronomie mit Gravitationswellen, die bis weit in die Zukunft wirken werden.“
GEO600 ist Teil eines internationalen Netzwerks von heute insgesamt fünf Detektoren (neben zwei LIGO-Instrumenten in den USA, Virgo in Italien und KAGRA in Japan). Alle verwenden besonders reines Laserlicht, das durch zwei senkrecht zueinander stehende, viele Hundert Meter oder mehrere Kilometer lange Vakuumröhren läuft, und hochempfindliche Mess- und Kontrolltechnik, um Gravitationswellen aufzuspüren. Im September 2002 haben GEO600 und die LIGO-Detektoren als erste gemeinsam koordiniert beobachtet. Sie bildeten so das erste internationale Netzwerk von Gravitationswellen-Detektoren.
Diese von Albert Einstein bereits 1916 vorhergesagten Kräuselungen der Raumzeit sind gewissermaßen der Klang des Kosmos. Sie entstehen bei extremen kosmischen Ereignissen und haben seit ihrem ersten direkten Nachweis im Jahr 2015 unser Bild von der dunklen Seite des Universums revolutioniert. Mehr als 200 Verschmelzungen Schwarzer Löcher oder Neutronensterne hat das Netzwerk seitdem nachgewiesen und untersucht.
GEO600 – Technologieschmiede und -prüfstand
Je größer die Instrumente sind, umso empfindlicher reagieren sie unter sonst gleichen Voraussetzungen auf die winzigen Längenänderungen, die die Gravitationswellen verursachen. Dass der deutsch-britische GEO600 der kleinste Detektor im Netzwerk ist, war GEO600-Wissenschaftler*innen von Anfang an ein besonderer Ansporn. Sie machten GEO600 zur Technologieschmiede und zum Prüfstand neuartiger Verfahren in der Optik, Mechanik und Kontrolltechnik.
GEO600-Forschende entwickelten und testeten die viele der Technologien, die heute Standard in allen großen Gravitationswellen-Detektoren sind. Unter anderem dank dieser Technologie haben diese zuletzt regelmäßig neue Verschmelzungen Schwarzer Löcher oder Neutronensterne in den Tiefen des Kosmos aufgespürt.
Ein astronomischer Wachdienst
Immer dann, wenn die größeren Detektoren des Netzwerks in ihren monate- oder jahrelangen Ausbauphasen keine wissenschaftlichen Messdaten erfassen können, übernimmt GEO600. Im „Astrowatch“-Programm belauscht der Detektor – neben den täglich laufenden Experimenten – das Universum. Beobachten andere Teleskope besondere astronomische Ereignisse, wie beispielsweise Supernova-Explosionen, kann GEO600 Messdaten dieser Vorgänge im Gravitationswellen-Bereich erfassen.
Forschung für das Einstein-Teleskop
GEO600 leistet zudem wichtige Beiträge für das Einstein-Teleskop, das geplante europäische Gravitationswellen-Observatorium der dritten Generation. Nur bei GEO600 lassen sich – aufgrund seines weltweit einzigartigen Aufbaus – unter realistischen Bedingungen die sehr hohen Laserleistungen untersuchen, die am Strahlteiler des Einstein-Teleskops auftreten werden. Der Strahlteiler ist der halbdurchlässige Spiegel, der das Laserlicht in die zwei senkrecht zueinander verlaufenden Messstrecken aufspaltet.
Die durch hohe Laserleistung auftretenden Veränderungen der Temperatur des Strahlteilers werden bei GEO600 durch ein innovatives System ausgeglichen. Damit verbessern die Forschenden nicht nur die Messempfindlichkeit von GEO600, sondern sammeln auch wertvolle Erfahrungen für zukünftige Detektoren wie das Einstein-Teleskop.
Ganz neue Wege
Bis Ende 2026 wird bei GEO600 mit vollem Einsatz weitergeforscht werden, denn die Wissenschaftler*innen beschreiten derzeit wieder einmal ganz neue Wege mit dem Detektor. Sie arbeiten daran, einen bislang kaum erforschten Teil des Gravitationswellen-Spektrums zugänglich zu machen. GEO600 soll nach Gravitationswellen sehr hoher Frequenzen von bis zu 2 MHz suchen. Das ist mehr als hundertmal höher als die höchsten Frequenzen, die die anderen Instrumente im internationalen Netzwerk beobachten.
So soll der Detektor unser Verständnis von dunkler Materie und dem frühen Universum vertiefen. Mit diesem Ziel vor Augen erweitern die Forschenden die Anlage seit dem Sommer 2024. Sie haben bereits wichtige Meilensteine erreicht und erste Messdaten im extrem hochfrequenten Teil des Gravitationswellen-Spektrums aufgenommen.
GEO600 besuchen
Im Sommer 2026 wird der 11. und letzte Tag der offenen Tür auf dem Detektorgelände in Ruthe bei Sarstedt, rund 20 Kilometer südlich von Hannover, stattfinden. Die Planung für diesen Tag läuft derzeit und der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben werden. Bis Ende 2026 bietet das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik weiterhin Gruppenführungen bei GEO600 an. Weiterführende Informationen gibt es auf https://www.geo600.org/besuchen.
Hintergrundinformationen
GEO600
GEO600 ist ein interferometrischer Gravitationswellen-Detektor in der Nähe von Hannover, Deutschland. Er wird von Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik und der Leibniz Universität Hannover zusammen mit Partnern im Vereinigten Königreich entwickelt und betrieben und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, vom Land Niedersachen, von der Max-Planck-Gesellschaft, dem Science and Technology Facilities Council (STFC) und der VolkswagenStiftung finanziert.
Die GEO-Kollaboration
Zur GEO-Kollaboration gehören Wissenschaftler*innen an 23 Forschungseinrichtungen in Europa. Die GEO-Kollaboration ist der Teil der LIGO Scientific Collaboration. Eine vollständige Liste der derzeit ca. 300 GEO-Kollaborationsmitglieder gibt es im LIGO Roster.
Technologische Premieren und nachhaltige Beiträge
Ein großer Teil der Technologie, die derzeitige Gravitationswellen-Detektoren zu erfolgreichen astronomischen Observatorien macht, wurde erstmals bei GEO600 erforscht und getestet. Der Detektor dient als Testumgebung für mutige Ideen, deren Ergebnis manchmal unsicher aber letztlich bahnbrechend ist.















